Frische Luft in Grazer Schulen

Mindestens 90% seiner Lebenszeit, also ca. 22 Stunden täglich, hält sich der moderne Mensch im Inneren von Gebäuden auf. Während die Bedeutung der Außenluft für die Gesundheit des Menschen schon lange und zunehmend im Blickfeld der Öffentlichkeit steht, ist die Gesundheitsrelevanz der Raumluft weitestgehend unbekannt. Dabei ist mittlerweile erwiesen, dass die Raumluft für unsere Gesundheit ein höheres Risiko darstellt als die Außenluft.
Wie die Außenluft, wird auch die Raumluft durch verschiedenste Quellen verunreinigt. Der grundlegende Unterschied zwischen Außen- und Innenluft liegt aber im beschränkten Luftvolumen von Räumen. Dies ist für die Luftqualität ein entscheidender Faktor, da durch die Atmung Sauerstoff verbraucht und die Luft mit CO2 angereichert wird. Dadurch kann es zu ernsthaften Befindlichkeitsstörungen wie Unkonzentriertheit, Müdigkeit, Kopfschmerzen etc. kommen – v.a. bei hoher Personendichte. Schulen und Schulklassen sind daher vom Problem mangelnder Luftqualität besonders betroffen. Außerdem sind Lehrende und SchülerInnen tagtäglich großen Herausforderungen ausgesetzt und stehen unter besonderem Leistungsdruck!
Aber wie soll man in „schlechter“ Luft „gute“ Leistungen erbringen?
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Handeln ist notwendig! Deshalb wurden drei Schulprojekte ins Leben gerufen, die zu einer Bewusstseinsbildung über die Relevanz eines guten Raumklimas beitragen sollen. Das erste Projekt aus dem Schuljahr 2008/2009 wurde vom Grazer Umweltamt in Auftrag gegeben und brachte das Thema „Innenraumluft“ einigen Unterstufenklassen von Grazer Schulen näher. Ein Folgeprojekt des Bildungsförderungsfonds für Gesundheit und Nachhaltige Entwicklung, das im Februar 2010 abgeschlossen wurde, brachte dieses Thema an ausgewählte Grazer Oberstufenschulen. Die dritte Projektphase, die wiederum vom Grazer Umweltamt finanziert wurde und das Thema Innenraumluft Grazer SchülerInnen der 5. - 12. Schulstufe näher brachte, wurde im Dezember 2010 abgeschlossen.
Im Gegensatz zu anderen umweltrelevanten Themen muss die Bedeutung der Innenraumluft für Gesundheit, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit erst im Bewusstsein der Allgemeinheit verankert werden. Nachhaltig ist dies über die Einbindung der Schulen möglich. Die SchülerInnen fungieren als Multiplikatoren, indem sie Ihr Wissen und ihre Erfahrungen in ihren Familien- und Freundeskreis tragen. So kann nicht nur der Lebensraum Schule, sondern auch das eigene Zuhause zu einem gesünderen Ort werden.
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PROJEKTBESCHREIBUNG:
Bisher gliedert sich die schulische Umsetzung des Themas Raumluft in vier Phasen:
Phase 1: Unterstufen-Projekt "Frische Luft in Grazer Schulen"
Phase 2: Oberstufen-Projekt "Frische Luft in Grazer Schulen"
Phase 3: Unter- u. Oberstufen-Projekt "Frische Luft in Grazer Schulen 2010"
Phase 4: Projekt "Lüftungsanlagen"
Phase 5: Projektkonzept "Raumklima" entwickelt, Projekt derzeit zurückgestellt
Phase 1 und Phase 2 wurden im Zeitraum Oktober 2008 bis Februar 2010 durchgeführt und stellen die Pilotphase des Projekts dar.
Phase 1 wurde vom Grazer Umweltamt Ende 2008 in Auftrag gegeben. Im Sommersemester 2009 wurde an drei Grazer Schulen je ein Projekttag abgehalten, an dem die SchülerInnen neben einem theoretischen Input praktisch zum Thema Luft und Innenraumluft arbeiten bzw. eigene Messungen durchführen konnten. So wurde den Lehrenden wie auch den SchülerInnen eine Methode in die Hand gegeben, um Strategien zur Sicherstellung eines guten Raumklimas zu entwickeln. An diesem Unterstufen-Projekt beteiligten sich die Hauptschule Ferdinandeum (4. Klasse), das BG Oeverseegasse (3. Klasse) und die Praxis-Hauptschule Hasnerplatz (zwei 1. Klassen). Die schulische Umsetzung stieß überall auf großes Interesse.
Basierend auf den Erfahrungen des Unterstufenprojekts, wurde das Projekt „Frische Luft in Grazer Schulen“ auf die Oberstufe ausgeweitet - Phase 2. Die für den Unterstufenbereich erarbeiteten Materialien wurden adaptiert und erweitert, die finanziellen Mitteln vom Bildungsförderungsfonds bereit gestellt. Schulisch wurde das Projekt im Wintersemester 2009-2010 umgesetzt. Die teilnehmenden Schulen waren das BG/BRG Oeverseegasse mit einer 6. und einer 7. Klasse sowie das BG/BRG Seebachergasse und das Bischöfliche Gymnasium mit je einer 6. Klasse. Auffallend und erfreulich war die gute Mitarbeit und das große Interesse der Schülerinnen und Schüler im Zuge der 4-stündigen Projekttage.
Im Rahmen des Projekts wurden verschiedenste Materialien für die Unterrichtspraxis ausgearbeitet, die nun für weitere Projekte und Projekttage sowie als Download zur Verfügung stehen. Vorhanden sind ein Einführungsvortrag, diverse Hintergrundinformationen sowie ein Forscherheft, in dem die wichtigsten theoretischen Informationen vermittelt und in Form von Arbeitsaufgaben und Versuchen praktisch aufbereitet werden.
Die Projekttage an den Schulen umfassten in der Regel vier Schulstunden und waren in einen theoretischen und einen praktischen Teil gegliedert. Im theoretischen Teil erfolgte eine Einführung in alle wesentlichen Themenbereiche der Innenraumluft mit Schwerpunkt CO2 und Feinstaub. Im praktischen Teil wurden Messungen dieser beiden Themenschwerpunkte durchgeführt, ausführlich besprochen und Lernspiele (z.B. Luftillionenshow) gespielt.
Im Zuge der Projekttage wurde speziell auf die jeweiligen Schul- bzw. Klassensituation eingegangen. In einer Laptopklasse des BG/BRG Seebacher lag der Schwerpunkt auf Datenauswertung, während in den mitwirkenden Klassen des BG/BRG Oeverseegasse das Forscherheft ausführlich in die Projekttage und den dazwischen liegenden Regelunterricht eingebunden wurde.
Nach erfolgreichem Abschluss der Pilotphase, startete im Frühjahr 2010 Phase 3 des Projekts. Die Finanzierung kam wiederum vom Grazer Umweltamt. Das Projekt steht allen Grazer Schulen ab der 5. Schulstufe offen. Projekttage wurden am BG/BRG Seebachergasse (6. Klasse), in der NMS St. Andrä (4. Klasse), der NMS Kepler (1. Klasse) und der Musik-HS Ferdinandeum (zwei 3. Klassen) durchgeführt.
Die beiden Projekttage in der Musik-HS Ferdinandeum bildeten den Startschuss für ein neuartiges Innenraumluft-Projekt. In beiden Klassen wurden im WS 2010/11 lufthygienische Vergleichsmessungen durchgeführt und - als Phase 4 - in einer der beiden Klassen ein Lüftungsgerät eingebaut, in der anderen wird in gewohnter Manier gelüftet. Anhand der dadurch gewonnenen Forschungsergebnisse sollen die besten Maßnahmen zur Sicherstellung guter Raumluftverhältnisse erörtert und kommuniziert werden. Projektpartner sind das Land Steiermark, das Grazer Umweltamt und der LandesEnergieVerein Steiermark. Diese Phase wurde bis Jänner 2011 durch das UBZ begleitet.
Im Rahmen einer weiteren Phase 5 sollte das Thema mit dem Projekt "Raumklima" über die Grazer Stadtgrenzen hinaus getragen und im Bereich der Volksschulen sowie Kindergärten steiermarkweit umgesetzt werden. Dieses Projekt wurde jedoch aus budgetären Gründen derzeit zurückgestellt.


Die Rückmeldungen der SchülerInnen und LehrerInnen an den Projekttagen waren durchwegs positiv und geben Motivation, dieses so wichtige Thema auch weiterhin an Schulen umzusetzen.
Statements von SchülerInnen
„Danke, dass Sie uns geholfen haben, unser Leben umzustellen und unser Leiden durch falsches Lüften zu reduzieren!“ (B.K.)- „Ich fand die Präsentation sehr gut. Sie war sehr informativ und seitdem lüfte ich auch zuhause öfter und richtig!“ (K.V.)
- „Die Messung der Luftqualität fand ich sehr interessant. Seit diesem Tag kipp ich nicht mehr das Fenster zum Lüften sondern lüfte richtig!“ (C.S.)
Materialiensammlung
- Einführungsvortrag „Frische Luft in Grazer Schulen“
- Basis-Info Frische Luft für die Unterstufe
- Forscherheft Innenraumluft Oberstufe
